| Hier sind schon sechzehn
Geschichten mit Silz und Ploffi...weitere folgen!
Von 1988-94 brauchten wir die Texte als Schaufensterdekoration und brachten sie 1994 in einer limitierten Auflage von 202 Exemplaren heraus.
Texte: Hanna Rutishauser |
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Kinder
velo
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Ploffi streckt die Arme in die Luft
und seufzt.
Was ist, knurrt Silz.
Ploffi blinzelt in die Sonne. Es
ist Frühling, sagt sie, vor uns liegen noch zwei Wochen Ferien, wir
sind unterwegs nach Süden, wir sind zusammen, das Leben ist schön...
Und, fragt Silz mit drohendem Unterton,
ist das alles?
Und...ich habe ein...super...ein
neues Velo, stammelt Ploffi.
Eben, sagt Silz, DU hast ein neues
Velo.
Irgendetwas steht unmittelbar bevor.
Silz und Ploffi machen eine Velotour.
Auf dem Gotthard bekommen sie Streit. Silz hat einen Platten am Hinterrad
und stellt fest: Ploffi hat nur für ihr eigenes Velo Werkzeug und
Ersatzteile eingepackt.
Silz steht auf dem Wiesenbord und
flucht. Ihre Hände sind schwarz von der Kette. Die Dohlen schreien.
Die Alpenluft zittert.
Ploffi denkt: Ich bin nicht die
Hüterin meiner Schwester. Sie denkt: Unten im Tal ist Airolo und weiter
die Ebene und Mailand. Sie sucht die Karten zusammen und packt auf.
wenn Silz Glück hat, kommt
ein Mann geradelt und hilft ihr. Alle Männer sind glücklich,
wenn sie Frauen in solchen Dingen helfen können.
Jetzt sitzt Silz verkniffen auf
zarten Alpenblumen im Gras. In der Hand hält sie ein Schweizer Militärmesser
mit aufgeklappter Klinge. Will sie Brot schneiden damit oder Käse?
Ploffi beugt sich über das
Hinterrad und zieht den Gummi ums Gepäck. Da stösst Silz das
Messer sanft in Ploffis vorderen Pneu.
Ploffi kommt mit drei Plastiksäcken,
einer Papiertragtasche und einem roten Einkaufnetz nach Hause zurück.
Mit dem Ellenbogen stösst sie die Tür hinter sich zu. Polternd
fallen die Orangen aus dem Netz auf den Teppich. Das Milchpaket, das aus
einem der angerissenen Plastiksäcke kippt, ist noch nicht aufgeplatzt.
He, ruft Silz aus dem Innern der
Wohnung, komm und hör dir das an.
So wart doch, schreit Ploffi und
schaut eingehend die Schwielen auf ihren Handflächen an.
Silz kommt aus dem Zimmer. Alte
Vorlesungsnotizen, sagt sie und schwenkt einen Wisch Papier. Dann liest
sie vor. "In der melanesischen Sprachfamilie gibt es Sprachen, die für
jede Tätigkeit des Alltags ein ganz präzises Verb besitzen. So
hat das deutsche Wort 'tragen' dort an die zwanzig Entsprechungen,
wie:
in der Hand tragen
auf der Schulter tragen
auf dem Kopf tragen
an einem Stab über
die Schultern tragen..."
Ich war, sagt Ploffi laut und steht
immer noch zwischen den verstreuten Esswaren, im Coop, bei Laresi, im Grüene
Egge und im Migi.
"Auch Verben wie 'ziehen' oder
'stossen' sind in grosser Zahl vorhanden", liest Silz.
Ploffi stöhnt und schaut auf
ihre Schwielen.
Warum kaufst du keinen Veloanhänger,
fragt Silz und liest in ihren Papieren.
Wieso, knurrt Ploffi, haben sie
im Melanesischen auch dafür einen speziellen Ausdruck?
Lebensmittel transportieren in
einem Veloanhänger, sagt Silz und schaut auf, Lebensmittel transportieren
in einem Metallkorb, der seitlich am hinteren Gepäckträger angebracht
ist, Lebensmittel transportieren in einer Saccoche -
Ploffi ist ein paar Sekunden mit
dem Milchpaket in der Hand stehen geblieben. Dann wirft sie es mit einem
kleinen Schwung über die Schwelle zur Küche, wo es auf dem Steinboden
eine weisse Explosion verursacht.
Silz und Ploffi fahren nach Gretzenbach. Umsteigen, warten
auf zugigen Perrons, Schokolade vom Kiosk.
Eine ältere Frau kommt auf sie zu. Können Sie
mir sagen, fragt sie. Wir sind nicht von hier, sagt Silz und beisst auf
die Nussschokolade. nein, nein, sagt die Frau, aber können Sie mir
sagen, was heutige junge Frauen in ihrer Freizeit am liebsten tun. Ich
bin nämlich Soziologin.
Wie meinen sie das? fragt Ploffi freundlich und blickt
dann verärgert auf Silz, die losgekichert hat.
Im Namen des Bundesrates, sagt die Frau und kramt in
ihrer schmuddeligen Tasche, habe ich den Auftrag, für die Jubiläumsfeier,
700 Jahre -
Silz hat sich verschluckt, Ploffi lächelt nun doch.
Ach, seufzt die Frau, nun habe ich den Ausweis vergessen,
aber sie antworten mir sicher auch so, nicht wahr?
Also wir, sagt Ploffi wichtig, können natürlich
nicht für DIE Frauen reden. Aber wir zum Beispiel, fahren nach Gretzenbach
zu einer Velofabrik.
Wie? fragt die Frau.
Aarios, ruft Ploffi gegen den vorüberdonnernden
Schnellzug, und dort schauen wir, wie sie Velos machen für eine Schweizer
Frauenfirma. Ein Velogeschäft, das von Frauen betrieben wird.
Das glaube ich Ihnen nicht, sagt die Frau dezidiert,
das gibt es nicht in der offiziellen Schweiz, ein Velogeschäft von
Frauen.
Offiziell? fragt Plofffi höflich, aber Silz wirft
das Schokoladepapier zwischen die Geleise und ruft, wenn Sie es nicht glauben,
dann kommen Sie doch mit, und damit wendet sie sich zur Unterführung.
Gerne, sagt die Frau und klappt endlich ihre Tasche zu, ich habe nämlich
heute Nachmittag noch nichts vor.
Sie trippelt mit ihnen die Treppe hinunter und hat es
wahrscheinlich nicht gesehen, wie Ploffi Silz in den Oberarm gekniffen
hat, ziemlich hart.
Silz und Ploffi sitzen auf der Terrasse
vor einem Krug Himbeersirup. Die Sonne scheint auf die blauweiss gestreifte
Store.
Es läutet. Silz geht an die
Tür. Christoph vom Nachbarhaus fragt nach Pneuflicken. Heute ist Sonntag,
ruft Ploffi von der Terrasse her, heute haben wir frei. Aber Silz ist nett
und holt ihr Veloflickzeug. Du kennst Dich damit aus? fragt sie. Selbstverständlich,
sagt Christoph und streckt den Rücken gerade.
Von der Terrasse aus hören
sie, wie er im Hof hantiert. Die Schlüssel und Reifenheber klingeln,
wenn er sie auf den Asphalt fallen lässt.
Später am Abend gehen Silz
und Ploffi aus. Im Hof an der Hauswand lehnt das geflickte Rad.
Ploffi sieht es zuerst. Sie zeigt
wortlos auf den hinteren Reifen. Leer und plattgedrückt steht der
graue Pneu da.
Silz und Ploffi sitzen in einem Café an der Idastrasse
und schauen durch die Scheiben. Ein Velofahrer fährt vorbei. Immer
diese Geschichten, sagt Silz.
Welche Geschichten? fragt Ploffi.
Immer diese Silz-und Ploffi-Geschichten, klagt Silz,
es kommt mir einfach nichts mehr in den Sinn. Und weisst Du eigentlich,
was Werbetexte wert sind?
Aber, sagt Ploffi, für den letzten hast Du den teuren
Brooks-Sattel bekommen und für den vorletzten den Shimano-Wechsel.
Pha, macht Silz, ein Thema ist unbezahlbar. Gib mir lieber
ein Thema!
Ploffi schaut hinaus. "Ein Velofahrer fuhr durch die
Idastrasse, während Silz und Ploffi im Café sassen und hinausschauten",
sagt sie.
Na und? fragt Silz.
"Der Velofahrer fuhr in der verkehrten Richtung durch
die Einbahnstrasse", fährt Ploffi weiter.
Stimmt gar nicht, sagt Silz.
Du wolltest doch ein Thema, sagt Ploffi.
Paris, den 1. Mai 1990
Liebe Ploffi,
vielen Dank für den Helm.
Aber es geht nun doch nicht.
Zweimal bin ich damit gefahren,
immerhin.
Beim erstenmal stand einer schon
gleich an der nächsten Kreuzung und schrie begeistert, als er mich
sah. Er schrie Jeannie Longo, Jeannie Longo und winkte mit beiden Händen.
Stell dir meinen Schreck vor.
Kurz darauf lief mir ein kleines
Mädchen beinahe vor die Räder, zeigte auf den Helm und rief,
regarde maman le joli chapeau rouge.
Beim zweitenmal (ich war schon
ganz verkrampft) fuhr ich direkt in eine Gruppe Jugendliche hinein. Einer
sprang vor mein Velo und packte den Lenker, und dabei schlug er sich mehrmals
auf den eigenen Kopf. Die andern gröhlten dazu, hinter uns gabs einen
Stau, alles hupte, und einer stieg aus und guckte den Helm an und lachte.
Also, es geht einfach nicht. Erinnere
dich daran, wie gern ich in der Masse untertauche!
Sorry, deine Silz
Ein Paar Tage später kommt
das Paket zurück. Zwischen Plastikchips kommt der noch nagelneue rote
Helm zum Vorschein. Cyclex, Made in France.
Silz und Ploffi sitzen auf rotem Plüsch im In-Lokal
"Zum Gauman der Welt" und wundern sich wie tadellos kravattiert und geliert
die jungen Leute an den Nebentischen sitzen.
Zum Glück ist die Bedienung nett, flüstert
Silz in Ploffis Ohr, als der Kellner unaufgefordert Wein nachschenkt. Im
gleichen Moment hört sie vom Nachbartisch eine Männerstimme.
Cannondale, sagt der blonde Zwanzigjährige, ist
hoffnungslos vorbei. Er fasst zur Bestätigung des eben Gesagten
nach dem Handgelenk seiner Tischnachbarin; einfach veraltet, sagt er, bringts
nicht mehr. Jetzt kommt Shakermoon, sagt er in die Runde, ja, ja, das absolut
Neueste aus Sidney, und während er seine Finger weiterhin um das Handgelenk
seiner Partnerin geschlossen, auf die Tischgesellschaft einredet, schiebt
Silz ihr nagelneues Universalwerkzeug über den Tisch, eine Zugabe
zum eben gekauften Rad. Im gedämpften Licht des Lokals schimmert der
Schriftzug auf dem schwarzen Schaft, Cannondale.
Silz steht in der Waschküche
und hängt Wäsche auf.
Siiiilz! hört sie von weitem,
wo bist du?
Sie macht gerade ein paar nette
Begrüssungsworte bereit, da erreicht Ploffi die Waschküchentür
und bleibt dort wie erstarrt stehen.
Was! schreit sie auf, stürzt
an Silz vorbei und reisst ein paar schwarze Velotrainingshosen von der
Leine, die gehören mir! Und mit funkelnden Augen drückt sie Silz
den feuchten Stoff unter die Nase.
So? sagt Silz, ich dachte, die
hast du mir auf weiteres ausgeliehen, weil du zum Trainieren keine Zeit
hast?
Wie ich die gesucht habe! schnaubt
Ploffi, seit mindestens zehn Tagen!
Und die Sportsocken dort, fragt
Silz, hast die vielleicht auch gesucht? Und das dunkelblaue T-Shirt?
Und die Leggins da hinten? Hast du mir alles grossspurig zum Gebrauch überlassen,
sagt sie kühl und geht zur Waschmaschine, um eine weitere Ladung Feinwäsche
in Gang zu setzen.
Da drängt Ploffi an die Maschine
und drückt den Temperaturschalter durch, bis die Anzeige auf 95 Grad
steht. Mit tosendem Rauchen beginnt der Waschgang zu laufen.
Diese Velofarben, sagt Ploffi, Wahnsinn, wie die der Mode
unterworfen sind. Als ich zur Schule ging, hatte der Hanspi Graber ein
giftgrünes Velo, und alle Mädchen standen auf ihn.
Sie schwenkt den Prospekt vor Silz' Gesicht hin und her.
Nimm ein schwarzes, sagt Silz unbeteiligt, das veraltet nicht.
Und als ich etwa vor zehn Jahren diesen Computerkurs
nahm, da passte so einem Typen etwas an meinem alten Dreigänger nicht.
Warum, fragt Silz nach einer Pause, war es giftgrün?
Nein, sagt Ploffi, aber sein Velo war grau métallisé, und
jedesmal stellte er meines zur Seite, um seines besser zu parkieren.
Passiert dir nicht mit einem schwarzen, sagt Silz gelangweilt
und dreht den Fernseher an.
Schwarz, sagt Ploffi zweifelnd und blättert im Prospekt,
so ein schönes stabiles Alltagsvelo, die werden geklaut wie frische
Weggli. Erinnerst du dich an die Eva Maurer von der Heinrichstrasse, der
ist dreimal, wenn nicht viermal, ein schwarzes Rad...
Nimm ein schwarzes und dazu ein Kryptonite Bügelschloss,
unterbricht Silz und geht in die Küche, um sich ein Glas Ricard zu
holen.
Ein Schloss, ruft Ploffi, weisst du nicht, dass sie nun
die dicksten Schlösser in Sekunden knacken können, sie beugt
sich seufzend über den Prospekt, mehrere Schlösser wären
nötig, und eines kostet, na, ich glaube...
35 Franken das billigste, sagt Silz stellt die Lautstärke
des Fernsehers mit der Fernbedienung höher.
Ach weisst du, das beste wäre, man kauft kein neues
Rad, sondern nimmt ein altes, zerkratztes, wenn möglich ein braunes,
braune Räder interessieren heute niemanden. Du trinkst Ricard??
Ja, sagt Silz laut, am besten behält man das alte,
und sie reguliert die Helligkeit des Bildes mit der Fernbedienung. Ich
möchte aber so gerne ein neues Rad, seufzt Ploffi und nimmt das Glas,
das Silz abgestellt hat, und am besten gefallen mir... sie trinkt und stellt
das Glas zurück, das Silz sofort aufnimmt und in der Hand behält.
Eigentlich weiss ich noch gar nicht, was mir gefällt, ich wollte einfach
gerne deinen Rat hören, verstehst du?
Nimm ein schwarzes, sagt Silz.
Findest du nicht auch, Silz, fragt Ploffi nach langem
Schweigen, dass es heute sehr schwierig geworden ist, von jemandem einen
guten Rat zu bekommen?
Rot
Schon wieder rot, murrt Silz und
stellt den rechten Fuss auf dem Randstein ab. Ploffi hält dicht hinter
ihr.
Nun bricht das Zeitalter des Velos
aus, schreit Ploffi nach vorn.
Toll! schreit Silz verärgert
durch den Lärm der laufenden Motoren zurück.
Ehrlich, ruft Ploffi, hab ich letzhin
gelesen. Fidel Castro hats gesagt. Das Velo sei wie die Revolution, es
habe keinen Rückwärtsgang und fahre drum stehts vorwärts.
Nun dreht Silz den Kopf zurück
und macht Telleraugen.
Wenn das Velo ist wie die Revolution,
sagt sie, bleiben uns nur zwei Dinge: Entweder bleiben wir hier und kaufen
uns ein Auto, oder wir emigrieren nach Kuba.
Aber Ploffi schreit gestresst:
Grün! und hintereinander flitzen sie über die Kreuzung.
Die
Fledermaus
Silz streicht ehrfürchtig
über den matten grauen Rahmen. Mit leuchtenden Augen staunt sie auf
die schwarzglänzenden Schutzbleche. Zärtlich fahren ihre Hände
über das gebogene Glas des Halogenscheinwerfers, gleiten dem Schaltkabel
entlang zum blitzend neuen Wechsel. Auf den Speichen spielen ihre Finger
wie auf blanken Leiterchen auf und ab, dabei klingelt es leise in die kühle
Stille.
Ploffi räuspert sich. Es ist
kalt im Treppenhaus, merkt Silz das nicht? Bald eine Viertelstunde stehen
sie hier im Entree. Vorsichtig fragt sie: Ist dies nun dieses, wie heisst
es - ?
Die Fledermaus! flüstert Silz,
ein ganz spezielles Velo. Nicht so ein gewöhnliches rosarotes Mountainbike
oder eines dieser langweiligen schwarzen Stadtvelos. Exklusiv! und sie
streichelt den schwarzen gerippten Pneu.
Aber war das nicht gestern, denkt
Ploffi, dass Peter von einem günstigen Rad mit einem ausgefallenen
Tiernamen sprach? Und hat nicht die Schwiegermutter von Frau Gerber dieses
Rad gekauft, kaum war es im Laden? Und die junge Frau mit dem gelben Schal,
die ich schon mehrmals vor dem Coop dieses Velo abschliessen sah?
Was würdest du sagen, Silz,
fragt sie schliesslich, wenn ich es mir auch anschaffen würde, dieses
Wundervelo?
Silz und Ploffi stehen an der Bushaltestelle in der rue
Montmartre und warten auf den 85er.
Stell dir vor, sagt Silz, bin ich doch vor zwei Tagen
mit einem dieser Busse gefahren, die hinten eine offene Plattform haben,
und da steht so ein komischer Typ mit einem Hut und beginnt gleich Streit
mit einem andern, weil der ihn scheints dauernd anremple.
Was du nicht sagst, macht Ploffi und schaut Silz sehr
aufmerksam an.
Und was denkst du fragt Silz, wo ich ihn zwei Stunden
später wiedergesehen habe?
Ich denke, sagt Ploffi sofort, das war an der gare Saint-Lazare,
wie er gerade mit einem Bekannten ein Gespräch führte über
einen fehlenden Knopf an seinem Mantel.
Falsch! ruft Silz mit blitzenden Augen, ich sah ihn auf
einem nagelneuen gelben Rad den Boulevard Haussmannn hinaufradeln, mit
dem grünen Kleber von Velofix am hintern Schutzblech.
Jane Ashford
Bei Cannondale haben sie jetzt eine Frau in der Speditionsleitung Übersee, sagt Ploffi beim Mittagessen. Silz mag es nicht, wenn Ploffi sie beim Zeitunglesen mit beruflichem Kram belästigt und schweigt.
Ploffi sagt: Sie heisst Jane Ashford und hat persönlich das Schreiben unterzeichnet, in dem die Cannondale die Swissrad AG zu einer Betriebsbesichtigung mit vergünstigten Einkaufsbedingungen einlädt.
Silz raschelt laut mit der Zeitung und schweigt.
Und ich, sagt Ploffi sehr deutlich, als erste Sachbearbeiterin im Einkauf, soll eines der drei Flugtickets bekommen. Im November.
Hinter dem Rand der sinkenden Zeitung hervor erscheint Silz' Gesicht.
Wir fahren in die Welt
Silz ist alles egal. Heute ist der fünfte Tag der tour. Seit dem zweiten Tag regnet es. Die Leitlinie am Rand der Landstrasse glänzt. Von den Bäumen bläst der Wind das wasser schräg über das Feld.
Silz hört, wie Ploffi auf dem Rad vor ihr sing. Sie kann einzelne Töne hören, laut und trotzig gegen die Böen.
Silz denkt an einen Zug, an ein warm geheiztes Abteil, an Regentropfen auf der anderen Seite der Scheibe. Auf der Landstrasse draussen würden sie zwei Velofahrerinnen sehen. Sie würde zu Ploffi sagen: Wie die gegen den Wind fahren müssen. Wie es ihnen ins Gesicht regnet. Wie die Autos das Wasser an ihren Beinen hochspritzen.
Aber Ploffi singt. Wir fahren in die Welt, singt sie jetzt laut und deutlich.
Am Strasserand taucht eine Ortstafel auf,
Dietlikon, ruft Silz nach vorn.
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